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Wissenswertes

Der Begriff Wasserkunst ist eine der vielen spezifischen Bezeichnungen aus der „Familie“ der Kunstgestänge/Stangenkünste. Je nach Zweck und Anwendungsgebiet trifft man auf spezielle Bezeichnungen wie Hubgestänge im vertikalen Einsatz (Fahrkünste im Bergbau).
Um die Antriebskraft des Wasserrades über eine lange Strecke auf das vertikale Hub-/Pumpgestänge zu übertragen, musste in Salzderhelden ein Feldgestänge dazwischen gebaut werden.

Bereits im Mittelalter haben die Erfinder und Konstrukteure derartiger Anlagen die besondere technische Herausforderung gelöst, aus der Drehbewegung des Wasserrades mittels speziell geformter Gestängeteile eine Richtungsumkehr in die Pendelbewegung des Feldgestänges zu erzielen und umgekehrt, am Ende des Feldgestänges durch ein Kunstkreuz die Pendelbewegung auf die vertikale Bewegung des Pumpgestänges abermals umzukehren.

Die Wasserkunst von 1586

Musste in den ersten Jahrhunderten der Salzderheldener Soleförderung die Sole noch per Hand oder einfachen Hebevorrichtungen mit Eimern geschöpft werden, konnten mit der 1586 in Betrieb genommenen Wasserkunst (auch als Kunst‐ oder Feldgestänge bezeichnet) die ersten primitiven Pumpen zur Förderung der 4 ‐ 6%igen Sole angetrieben werden.
Vom Wasserrad im Mühlengraben wurde über die 265 Meter lange hölzerne Konstruktion die Wasserkraft zu den Pumpen des Solebrunnens übertragen.

Mit dem Bau der neuen Saline „Auf dem Flamke“ im Jahr 1757 wurde die Wasserkunst bis zum neuen Gelände verlängert und hatte nunmehr eine Feldlänge von 620 m. Mit weiteren 320 m für den Pumpenbetrieb des Gradierwerks erreichte die Salzderheldener Wasserkunst eine Gesamtlänge von 940 m. So innovativ diese Fördertechnik zu jener Zeit war, hatte sie jedoch auch einige Schwachpunkte. Zum einen war die hölzerne Anlage konstruktions‐ und materialbedingt sehr reparaturanfällig, zum anderen kam es durch das Hochwasser der Leine häufig zu längeren Ausfallzeiten.

Erst 1860 mit der Inbetriebnahme einer Dampfmaschine war man von der Wasserkunst nicht mehr so absolut abhängig wie in den vergangenen Zeiten.
Endgültig abgebaut wurde die Anlage nach fast genau 300‐jährigem Betrieb im Jahr 1885.

Nachsatz: Die wahrscheinlich einzige noch in Betrieb befindliche Wasserkunst in Europa steht in Bad Kösen (Sachsen‐Anhalt). Mit einer Länge von 180 m verbindet sie das Wasserrad einer Mühle an der Saale mit der Solepumpe im Bohrturm.

Die Wasserkunst in Bad Kösen