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Wissenswertes

Am Modell des ehemaligen Salzderheldener Gradierwerks erhält der Besucher interessante Informationen über die abwechslungsreiche Geschichte sowie über die Bauweise und Funktion des Gradierwerks.

Das ehemalige Gradierwerk

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts verbreitete sich eine Methode zur Produktionssteigerung, die das Salinenwesen bis ins 19. Jahrhundert prägen sollte: der Einsatz von Lecke‐ und Gradierwerken.
Die in Holzständerbauweise errichteten Anlagen wurden als Rieselfläche mit Schwarzdorngebüsch ausgefüllt. Diese Holzart bildete mit seiner feinen Verästelung die besten Voraussetzungen für einen optimalen Verdunstungsprozess der Wasseranteile einer niedrigprozentigen Quellsole (meist so um 5%). Die Verrieselung wurde so oft wiederholt, bis der Salzgehalt auf etwa 25 % angestiegen war. Salinen, die frühzeitig diese neue Produktionstechnik anwandten, sparten auf diese Art und Weise beim Siedevorgang viel Zeit und Energie.

Das Gradierwerk der Saline Salzderhelden

Es sollte jedoch noch rund 100 Jahre dauern, bis auch die Saline Salzderhelden über eine solche Anlage verfügte.
Zwar waren sich die Salzderheldener Pfänner bereits 1653 bewusst, dass ein Gradierwerk von großem Vorteil wäre, der Baubeginn verzögerte sich jedoch aus verschiedenen Gründen bis zum Jahr 1692. Da kommt die Frage auf, wie eine in der Fördertechnik (Wasserkunst) so fortschrittliche Saline in der Produktionstechnik so zögerlich und damit rückständig sein konnte. ‐ Einer der Hauptgründe dürfte in den internen Streitereien innerhalb der Pfännerschaft selbst sowie langwierigen Streitigkeiten mit der Regierung sein.
Weiterhin hatte der Wiederaufbau der Siedehäuser nach den Plünderungen und Zerstörungen während des 30‐jährigen Krieges (1618 bis 1648) die Pfänner viel Geld gekostet und so wurde ein zeitnaher Baubeginn eines Gradierwerkes aus finanziellen Gründen als nicht durchführbar angesehen.

Trotz aller nach wie vor bestehenden finanziellen Probleme entschloss sich die Pfännerschaft 1692, endlich ein Gradierwerk zu bauen. Bei einer Länge von 112 m merkte man aber schon bald nach der Fertigstellung, dass die Anlage für die Anzahl der Siedepfannen nicht ausreichte. Im Laufe der nächsten Jahrzehnte wurde das Gradierwerk mehrfach verlängert.
Im Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763) wurde die Anlage stark beschädigt und bereits 1762 abgerissen.

Die 1757 neu erbaute Saline „Auf dem Flamke“ wurde wegen der Altschulden aus den letzten beiden Großkriegen bald darauf an den König von Hannover verpachtet (erst 1850 entschloss sich die Pfännerschaft, die Saline wieder selbst zu verwalten). Unter der neuen staatlichen Verwaltung wurde ein neues Gradierwerk gebaut, das in den Folgejahren ständig erweitert wurde und letztendlich eine Länge von 460 m hatte.

Nach der ersten erfolgreichen Tiefbohrung im Jahr 1859 konnte aus 380 m Tiefe 26‐prozentige Sole gefördert werden. Damit wurde das Gradierwerk entbehrlich. Es wurde abgebaut und aus den Balken wurden die Solebehälter errichtet.